Full text: Brief von Kurt Rothschild an Ernst Fehr

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Es besteht kein Zweifel, dass man von monopsonistischer 
Macht sprechen kann (im ökonomisch-technischen Sinn), 
wenn die Firma Löhne setzen kann. Aber es ist schwer, 
das Beispiel in Abb. 1 und auf S.12/13 als Illustration 
der Macht des Unternehmers gegenüber dem Arbeiter 
zu sehen, wenn der Arbeiter bei dem Lohn w0 die Arbeits- 

zeit l0 wählte und dann. 

wenn ihn der 
höhere 

Lohn w1 

geboten wird, l1 anbietet , obwohl er ebenso l0 - und 
zu besseren Bedingungen als zuvor! - anbieten könnte, 
dann muss man doch hier von einem Anreiz und nicht von 
einer Machtausübung sprechen. Eine kontrafaktische 
Handlung ist nicht auszumachen, ausser irgendein 
besonde-er Wert wir auf den (Konkurrenz?-) Lohn w0 
gelegt. Von monopsonistischer Macht gegenüber den Arbeitern 
wenn man sie am Konkurrenzmodell messen will - sollte man 
eher im Sinne von Pigou's und Joan Robinson 's "monopsoni- 
stischer Ausbeutung" sprechen, nähmlich insofern als die 
Arbeiter beim profitmaximierenden Monopsonisten einen 
Lohn erhalten, der - ob er nun höher oder niedriger ist 
als im Konkurrenzfall - auf jeden Fall niedriger ist als 
das Grenzwertprodukt der Arbeiter. 
Aus dem gleichen Grund habe ich Schwierigkeiten, 
Ihrer Annahme zu folgen, dass jedes Prämiensystem (Über 
stundenbezahlung etc.) an sich 
Machtrelation ist. Das 
gilt 
schon ein Ausdruck einer 
doch nur, 
, wenn man das 
idealisierte Walras-Modell als Richtschnur verwendet. 
Ansonsten ist ein Prämienlohnsystem nur eine andere 
Form der Lohnzahlung, ohne als solche notwendigerweise 
mehr Machtprobleme aufzuwerfen als das Lohnsytem als 
ganzes. Denn auch der einfache Lohnempfänger wird durch 
den Lohn "angereizt", seine Arbeitskraft zu verkaufen, 
Man kann also sehr gut das Macht ^Problem im Privatbesitz 
der Produktionsmittel sehen, die den Arbeiter zwingen, 
für Löhne zu arbeiten; aber warum ein Lohnsystem mit 
differenzierten Zahlungsmodalitäten unabhängig von den 
damit , .geschaffenen Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten 
notwendigerweise stärkere Machtelemente enthalten soll, 
ist nicht einsichtig. 
Auf Seite 21/22 behandeln Sie die jetzt viel be 
handelten "Effciency Wage " -Ansätze und man sollte vielleicht 
auf diese Literatur hinweisen (z. B. Yellen, AF.R 1984, 
Ppaers.and Proceedings, S. 200). Auch hier sollte man 
nicht zu sehr übersehen, dass auch bei "normalen" Löhnen 
und hoher Beschäftigung dem Nicht- oder wenigarbeitenden 
Arbeitslosigkeit droht - auch im Walras-Modell! Kontrakt- 
erfüllung wird auch dort vorausgesetzt. 
Auf S, 30 zitieren "Sie Streissler; er fehlt aber 
in der Literaturliste. 
Mit freundlichen Grüssen
	        

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