Full text: Brief von Walter Ötsch an Josef Steindl

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3) Ihre Aussage, "daß die Neo Ricardianer nicht sehr überzeugend 
sind" (in ihrer Kritik an der neoklassischen Preistheorie) 
teile ich vollkommen. Meine Arbeit ist keine Wiederholung der 
Argumente der Sraffianer, sondern ein Versuch, diese Kritik prä 
zise zu formulieren; somit eine Kritik der bisher formulierten 
Kritik. Dasselbe gilt für Hahn als Verteidiger der Neoklassik 
gegen die Sraffianer. Ihre Aussage, daß keine vertikale Welt 
bei Hahn existiert, ist korrekt. Aber: genau dadurch, daß ich 
das Hahn-Modell um eine vertikale Welt erweitere, möchte ich 
zeigen, daß dann in einem allgemeinen mikroökonomischen Gleich 
gewi chtsmode 11 eine Konsistenzproblematik auftritt (und zwar 
unabhängig von jeder Interpretation der Makro-Produktionsfunk- 
tion; Ziffer 130). Meine Arbeit ist also auch eine Kritik der 
Verteidigung von Hahn: sie ist für die horizontale Analyse-Ebene 
korrekt; versagt aber bei der vertikalen. 
4) Die vertikale Analyse-Ebene hat a priori nichts mit Vorgängen 
im "Zeitablauf" bzw. mit "wirtschaftspolitischen Abläufen" zu 
tun, wie Sie in Ihrem Brief schreiben. (Die entsprechenden De 
finitionen sind in den Ziffern 8, 103 und 111 zu finden). In 
dem einfachen Fall von lediglich zwei horizontalen Analysen- 
Ebenen <f und T können die Unterschiede zwischen den Situationen 
S und ganz verschieden interpretiert werden: es kann sich um 
einen Zeitablauf handeln, es können aber auch zeitlose Substitu 
tionsunterschiede gemeint sein (vgl. Ziffer 128, 2. Absatz für 
den Sonderfall des Technik-Gesetzes). Im Zusammenhang damit gibt 
es sehr wohl eine vertikale Welt bei Sraffa (was Sie verneinen), 
nämlich immer dann, wenn er - entsprechend meiner Definition von 
Ziffer 8 - irgendeinen Verteilungsparameter und/oder die Technik 
verändert (vgl. dazu die neun Darstellungen in 'Warenproduktion 
mittels Waren'). 
Nochmals vielen Dank für Ihre Reaktion. Ich würde mich sehr freuen, 
wenn wir unsere Debatte fortführen könnten und verbleibe 
mit freundlichen Grüßen 
Dr. Walter Ötsch
	        

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